Langwaffe für Hundeführer

Die Langwaffe eines Hundeführers dient dazu, gestelltes Wild auf kurze Entfernung zu erlegen. Dies hat der Hundeführer nach enormer Anstrengung und bei egal welchem Wetter zu leisten. Dabei hat er darauf zu achten, dass weder Unbeteiligte noch Hunde gefährdet werden. Die Waffe muss funktionieren, immer, und am besten blind bedient werden können.

Anforderungen

Grundsätzlich sollte man beim Thema Waffen immer einen Schritt zurück machen, das Marketing der großen Firmen für den Moment aus dem Gedächtnis verbannen, und dann nüchtern die eigenen Anforderungen an die Waffe zusammenfassen.

Eine Langwaffe für Hundeführer besteht aus drei entscheidenden Elementen:

Schusswaffe + Gewehrriemen + Kaliber

Diese drei Elemente sind gleichwertig zu betrachten. Die Waffe selber kommt recht selten zum Einsatz, muss aber trotzdem funktionieren. Der Gewehrriemen ist entscheidend, da wir als Hundeführer das durchaus schwergewichtige Gewehr mehrere Stunden in Parkposition auf unserem Rücken herumtragen müssen. Dabei darf es uns weder in der Bewegung, noch körperlich all zu sehr einschränken.

Das heiße Eisen “Kaliber” wird gesondert betrachtet. Nur so viel: die Kaliber- und Patronenwahl sollte vor der Auswahl der Waffe stattfinden.

Aus obig beschriebenen Umständen ergeben sich folgende Anforderungen mit absteigender Wichtigkeit:

  • Waffe ist im gewünschten Kaliber verfügbar
  • Waffe funktioniert auch bei starker Verschmutzung zuverlässig
  • die Waffe besitzt eine adequate Sicherung
  • Waffe ist möglichst kurz, um im Gestrüpp nicht hängen zu bleiben
  • Die Waffe lässt sich einfach und schnell laden, entladen, unterladen
  • Waffe ist möglichst leicht
  • Waffe besitzt eine zuverlässige und robuste Visierung
  • Waffe besitzt zur Trageweise und dem Riemen passende Riemenbügelösen (vor allem deren Position ist entscheidend)
  • Waffe ist vom System und der Bedienung möglichst identisch zur normalen Hauptwaffe (Ansitzwaffe) des Jägers

Der Gewehrriemen sollte eine rutschsichere, breite Schulterauflage besitzen und den Hundeführer ermächtigen, stehend, kniehend, kriechend, schwimmend, kletternd … immer auf die Waffe zugreifen zu können und bis dahin nichts von dieser mitzubekommen.

Es gibt nichts schlimmeres als herumschlackernde Waffen, sich lösende Riemen oder wenn man sich permanent verheddert.

Das Wunschkaliber

Wir brauchen ein möglichst hochwertiges Deformationsgeschoss (splitterfrei) mit stumpfer Spitze, hohem Gewicht und nicht zu viel Energie. Aus unserer Sicht erfüllen das im Augenblick bleifreie Geschosse in Kalibern mit möglichst großem Durchmesser, z.B. 45-70, .458, .450, 20-76 oder 9,3×57.

Die .45-70 mit einem Barnes TSX oder SAX-Geschoss funktionieren zuverlässig.
Dichtes System

Der Lauf sollte durch einen Laufstopfen (Gunplug) oder einen Streifen Gewebe- bzw. Panzerband vor Eindringen von Fremdkörpern geschützt werden.

Das System sollte in unterladenem bzw. geschlossenem Zustand keinen Dreck in das Magazin eindringen lassen. Sonst läuft man Gefahr im Zweifelsfall nicht laden zu können, weil Dreck die Patronen blockiert.

Sicherung

Die Sicherung sollte möglichst “sicher” im Sinne der technischen Konstruktion und Bedienbarkeit sein. Da Waffen idR. unterladen geführt werden, macht es für viele keinen Unterschied, ob es sich um eine Schlagbolzen- oder Abzugssicherung handelt.

Viel entscheidender ist die absolut sichere Bedienung mit Handschuhen! Gerade Handspannungen neigen dazu, oft nicht schnell genug in Endposition einzurasten. Nicht ohne Grund rät man in Afrika von Handspannungen ab, wenn es an wehrhaftes Wild geht. Eine auf dem Schaftrücken aufgebrachte 2-Stellungssicherung lässt kaum Möglichkeiten zu, Fehler zu machen.

Eine Kammersperre ist bei Nachsuchenbüchse sehr sinnvoll, beim Durchgehen nicht unbedingt. Die meisten Büchsen haben ungespannt und unterladen eine ausreichend hohe Vorspannung.

Kurze Waffe

Ist die Waffe länger als der eigene Rücken, wird es:

  1. schnell sehr ungemütlich,
  2. oder die Waffe ragt seitlich oder über der Schulter hinaus.

Egal was bei einem zutrifft, man reduziert die eigene Beweglichkeit erheblich. Leider werden nur militärische Gewehre so kurz, dass man sie kaum noch wahrnimmt.

Ladegeschwindigkeit

Hier müssen wir dringend den Nachsuchenführer vom durchgehenden Hundeführer unterscheiden. Der Nachsuchenführer muss in der Regel zügig Laden. Dem entgegen steht der Durchgeher, welcher permanent bzw. deutlich häufiger Laden und Entladen muss. Das sollte dann entspannt und routiniert möglich sein.

Man sollte sich zu jedem Zeitpunkt sicher sein, ob die Waffe geladen oder nicht geladen ist!

Die Harrington & Richardson Kipplaufbüchse in .45-70, eine gute Wahl zum Durchgehen!
Gewicht

Das Gewicht sollte den eigenen körperlichen Fähigkeiten angepasst sein. Je leichter desto länger hält man durch. Ganz einfach.

Visierung

Die verwendete Visierung sollte robust sein, ohne Verstellung den ein- oder anderen Hieb aushalten und bei jedem Wetter funktionieren.

Es werden nach wie vor am häufigsten offene Visierungen verwendet. Diese sollte fest verlötet sein, da auf Schrauben basierende Kimmen und “Körner” recht empfindlich sind und sich schnell verstellen. Eine Kontrastvisierung ist Standard. Militärische Rotpunktvisiere sind mittlerweile robuster als die meisten offenen Visierungen und definitiv eine Option, insbesondere bei Verwendung eines Schalldämpfers.

Zwar immer noch in der Unterzahl, doch werden Rotpunktvisiere immer beliebter.
Riemenbügelösen

Es ist grundsätzlich egal ob man feste Riemenbügelösen, QR- oder QD-Montagen (also Schnellwechselsysteme) nutzt. Entscheident ist die Position der beiden Aufnahmepunkte an der Waffe. Eine mündungsnahe Aufnahme setzt die Waffe auf dem Rücken herab und verhindert den “überstehenden Lauf”. Ob man seitliche Aufnahmen benötigt, hängt primär vom verwendeten Riemen ab.

Marlin Nachsuche
Marlin 1895 in .45-70 Gov. mit seitlichen Riemenbügelösen
Bekanntes System

Ein Waffe für alles. Das funktioniert beim Thema Hundearbeit leider nicht so gut. Nutzt man aber die gleiche Basis, so profitiert der Körper unterbewusst von den gleichen haptischen Erfahrungen. Die Bedienung ist gleich und läuft fast schon automatisch ab. Das erhöht die Handhabungssicherheit und Reaktionsgeschwindigkeit.