Eickhorn Boar Hunter | Review

Das Eickhorn Boar Hunter ist eines von wenigen nur für die Jagd entwickelten Messer der Solinger Firma. Es handelt sich um ein vollwertiges Abfangmesser für den Gebrauch bei allen Wildarten. Ich konnte das Messer in der Drückjagdsaison ausgiebig testen und bin davon überzeugt. Wer ein in Deutschland produziertes Messer mit top Qualität sucht, sollte mal einen genauen Blick darauf werfen.

Offenlegung

Das Messer wurde mir für den Test über die Saison von Eickhorn zur Verfügung gestellt. Das hat mich bezüglich des Ergebnisses in keinster Weise beeinflusst, trotzdem ist der Inhalt dieses Reviews im Sinne des Gesetzgebers als Werbung zu betrachten.

Überblick

Das Eickhorn Boar Hunter ist ein reines, “waschechtes” Abfangmesser mit beidseitig geschliffener Dolchklinge. Die Klingenlänge von knapp unter 26cm und der aggressive Hohlschliff lassen keinen Zweifel an dessen Einsatzzweck. Das Messer kommt mit dem für Eickhorn typischen glasfaserverstärkten Kunststoffgriff. Dieser wurde von den typischen Kampfmessern übernommen und hat sogar deren Glasbrecher. Das Messer kommt alternativ mit funktionaler Kydexscheide oder Lederscheide als Waidbesteck. Farblich lassen sich Klinge und Griff separat in Braun- und Grüntönen konfigurieren.

  • Stahl: Professional
  • Gewicht: 345g
  • Klingenlänge: 25,9 cm
  • Klingendicke: 4,8 mm
  • Klingenbreite: 3 cm
  • Gesamtlänge: 39.1 cm

Die Klinge

Es handelt sich um ein Vollerlmesser (Full Tang), dass heißt die Klinge geht als solides Stück Metall durch den Griff für maximale Stabilität. Die Klingendicke von knapp 5 mm ist hier gut gewählt, so dass ein Brechen im Einsatz als Abfangmesser auszuschließen ist. Der beidseitige Hohlschliff ist sauber gearbeitet, inklusive der per Hand aufgebrachten Schneide. Insbesondere an der Spitze trennt sich die Spreu häufig vom Weizen: die Spitze ist sauber ausgearbeitet, die ganze Klinge ist perfekt symmetrisch. Beim Übergang von Griff zu Klinge finden wir Dekoausfräsungen und das Eickhornlogo, so dass die Schneide hier 2 cm verliert. Neben dem Boar Hunter Logo finden wir auch die fortlaufende Seriennummer, ich hab das zehnte Messer bekommen. Die Beschichtung ist erstaunlich robust.

Der Griff

Der Kunststoffgriff ist angenehm, ausreichend dimensioniert für große Hände und rutschsicher ausgeführt. Für zusätzliche Stabilität wird der Griff mit dem Erl verschraubt. Eine Fangriemenöse gibt es ebenfalls für die vermutlich recht wenigen Nutzer von Fangriemen. Der Glasbrecher am Ende des Griffes ist in Wahrheit das spitz ausgeführte Ende des Klingenerls.

Die Scheiden

Die Kydexscheide ist für Jäger sicherlich ein modernes Feature, für den Rest der Welt längst Standard. Die Scheide funktioniert ohne Druckknöpfe oder Ähnliches. Die Thermoplastik hält das Messer sicher in allen Lebenslagen, ohne Gewackel. Getragen wird das Messer dann via Gürtelschlaufe, welche mittels zwei Kreuzschrauben auch entfernt werden kann (z.B. für die Nutzung eines Teklok). Eine Bohrung an der Spitze lässt Flüssigkeiten ablaufen.

Kydexscheide (oben); Lederscheide (unten)

Die Lederscheide besteht aus 3 mm dicken, braunen Sattlerleder. Das Eickhorn Boar Hunter wird mittels Druckknopf in der Scheide befestigt. Erstaunlicherweise sitzt das Messer bombenfest (ich habe Vorurteile, was solche Scheiden angeht). Auf der Vorderseite ist eine kleine Minischeide für ein Beimesser aufgenäht (coole Idee). Die ganze Scheide ist hervorragend verarbeitet: versiegelte und entschärfte Kanten, robuste Sattlernähte ohne Spuren der Nähmaschine und eine robuste Oberflächenversiegelung.

In der Praxis

Ich habe das Messer seit Oktober 2018 im permanenten Einsatz auf Drückjagden und Nachsuchen. Dabei verwendete ich das Messer immer mit der Kydexscheide an meinem Ausrüstungsgürtel. Diesen trage ich für gewöhnlich unter der Jacke. Trotz des ordentlichen Griffes trägt das Messer wenig auf und lässt sich unter der Kleidung noch gut bedienen. Man hat das Gefühl, jeder Gramm an dem Messer ist gut angelegt, denn es ist sehr leicht. Wenn man einmal verstanden hat, wie die Kydexscheide öffnet, so ist das Messer mühelos aus allen Positionen und mit Handschuh und klammen Fingern gezogen. Man hat hier kein Gebamsel mit Druckknöpfen und irgendwelchen Lederriemen, und dementsprechend auch kein ewiges Gefummel. Das ist ein großes Plus.

Beim Anlaufen des Bails stecke ich die Jacke hinter die Scheide, zum ziehen wird der Daumen aufgelegt und los gehts.

Es ist ein Abfangmesser, also soll der Punkt hier nicht fehlen. Ich habe bis zum Schreiben dieses Reviews 11 Sauen, 1 Reh und 1 Stück Rotwild abgefangen. Die schwerste Sau wog 55 kg aufgebrochen. Zusätzlich habe ich das Messer auch an stärkeren, schon erlegten Stücken und Fallwild getestet, wo möglich. Das Messer penetriert dabei hervorragend, auch durch das dicke Schild des Keilers. Es ist nicht zu breit, so dass man auch gut zwischen den Rippenbögen ansetzen kann. Für den Stich hinter dem Brustkorb in Herzrichtung ist das Messer ausreichend lang. Da es nicht die Klingenbreite mancher anderer Klopper oder Saufedern hat, ist bei starken Stücken immer noch der Schnitt nach oben anzuraten um das Trauma zu erhöhen.

Fazit

In der praktischen Anwendung hat das Eickhorn Boar Hunter überzeugt, so konnte Wild ohne unnötige Qualen sicher und schnell erlöst werden. Das Messer nimmt man am Gürtel fast nicht war. Es ist schnell und ohne Probleme mit einer Hand gezogen und löst sich auch mit Schweiß und Ähnlichem noch sicher aus der Scheide. Bisher gab es noch keinerlei Bedarf, das Messer nachzuschärfen. Es arbeitet wie am ersten Tag. Zum Reinigen: das funktioniert einbahnfrei, die Scheide einfach unter den Wasserhahn halten und ausspülen.

Ehrlich gesagt: das Messer ist schon eine Entdeckung. Ich wüsste nicht, was ich anders wöllte. Man sollte aufpassen, die Kreuzschrauben nach dem Kauf nochmal nachzuziehen. Sie haben sich bei mir aber nie gelöst. Der Preis ist erst mal hoch. Kennt man sicher aber mit Messern aus, relativiert sich das schnell für ein in Deutschland, noch teilweise per Hand gefertigtes Messer von einer Firma mit viel praktischer Erfahrung.

Meiner Meinung nach eine klare Kaufempfehlung für alle Hundeführer und Jäger. Auch auf Drückjagden als Schütze oder bei der normalen Jagd, da es nicht zu schwer oder zu groß ist. Mit der Kydexscheide trage ich das Messer immer am Ausrüstungsgürtel für die Hundearbeit. In den seltenen Fällen, dass ich mal Schütze bin, stecke ich das Messer als Waidbesteck in die Lederscheide.

Als Techniker findet man aber immer ein paar Verbesserungsvorschläge für den Hersteller. Die Dekofräsungen beim Eickhorn Boar Hunter sind so klein, dass sie nicht stören, braucht man aber trotzdem nicht. Desweiteren freuen sich die Jäger sicherlich auch über orangene Griffe im Portfolio. Das ist aber jetzt meckern auf hohem Niveau :-).

Webseite des Hersteller: Eickhorn Boar Hunter

Comments are closed.