Das erste Mal mit auf Baujagd | Editorial

Dieses Jagdjahr war ich das erste Mal bei einer Baujagd dabei. Früher war das “alte Waidwerk Erdjagd” eher etwas das nur mit einem hohen Maß an Skepsis betrachtet wurde. Hier meine Eindrücke und Gedanken zu dieser Jagdform für Interessierte denen es ähnlich ging oder geht. Baujagd, zeitgemäß oder ein Relikt alter Traditionen?

Vorgeschichte.

Meine einzige Erfahrung mit der Baujagd durch Erdhunde hatte ich auf recht ulkige Art und Weise bei einer Niederwild-Jagd bei uns in Leipzig. Zuvor war mir dieses Fach am „hinteren Ende“ der Prüfungsfächer nur ungreifbar und kaum verständlich während der Jagdschule eingetrichtert worden. Heutzutage ist das kein Problem: büffeln und nach der Prüfung wieder vergessen. So wusste ich ein halbes Jahrzehnt später kaum noch etwas über die Ausbildung und Prüfung von Erdhunden sowie der dahinterstehenden Jagdart. Auf erwähnter Niederwild-Jagd ging es eigentlich auf Hase und Fasan. Einer der teilnehmenden Waidgenossen hatte seine beiden Jack Russel Terrier mit. Nach Abschluss des ersten größeren Treibens beschloss einer der Jagdherren auf den Weg zu den Autos, die beiden Baujagd-erprobten Terrier an einigen Bauten anzusetzen. Der Rest der Truppe jagde derweil schon mal weiter. Am ersten Bau angelangt bewindete der Terrier kurz den Eingang und entschied sich schnurstracks in die nächste Dickung zu verschwinden und erst Mal ein halbes bis ein Stündchen zu stöbern.

Vorgeschichte Teil 2

Der zweite Bau, diesmal auf dem Feld, folgte unmittelbar. Diesmal schliefte der Terrier direkt ein. Unmittelbarer Laut lies alle auf einen springenden Fuchs hoffen. Der Laut wurde allerdings immer leiser, bis der Hund nicht mehr zu hören war. Der Hundeführer begann sofort das Gerät für den Bausender aus dem Auto zu holen und das Feld damit abzuscannen. Nach einer viertel Stunde suchen konnte der Hund lokalisiert werden. Dieser bewegte sich nicht, sodass wir gleich mit Graben angefangen haben. Jetzt könnte irgendeine spannende Jagdgeschichte kommen, was aber nicht passiert: wir buddelten uns wie die Verrückten durch 2,5 m harten Boden. Trotz aller Mühen dauerte das fast eine Stunde. Wir kamen direkt auf den Schacht zwischen Fuchs und Hund, den zum Fuchs schlossen wir zunächst um uns in Ruhe um den Hund kümmern zu können. Diesen holten wir recht abgeschlagen aus dem Bau mit schwereren Wunden an Kopf und Hinterbeinen. Anscheinend handelte es sich um zwei Füchse die den Hund in dem runden Bau eingekesselt und bearbeitet hatten. Wir öffneten die geschlossene Endröhre woraufhin der Fuchs unter Einsatz einer Flinte und Revolvers erlegt und geborgen werden konnte. Der zweite Fuchs blieb am Leben, da sich der Hundeführer verständlicherweise sofort auf dem Weg zum Tierarzt gemacht hat.

Nun, war diese Materialschlacht mit diesem Ergebnis das ganze Wert? Ich zweifelte daran, während andere Jagdfreunde begeistert waren. Ein bitterer Beigeschmack blieb, vielleicht wäre ich auch lieber weiter auf Streife gegangen und war deshalb angesäuert? Wer weiß Dianas Wirren schon zu verstehen…

Jagen-mit-Hunden.de.

Zu Jagen-mit-Hunden bin ich erst im Jagdjahr 2017/2018 durch Zufall über Matthias gekommen. Tatsächlich habe ich bei ihm übertrieben günstig eine Jagdwaffe abgekauft. Dafür bin ich ihm bis heute dankbar. Als ich mit ihm in seinen Garten saß und seine Tiroler Bracken in den Garten durften, war das Thema der Unterhaltung klar… Ich will auch gar nicht groß abschweifen. Dieses Jagdjahr war das erste Mal, dass ich es mit einer größeren Gruppe Rüdemännern zu tun hatte, die für die Baujagden „brannten“. Begeistert von dem Maß an Passion und Professionalität, die sich in so einer Gruppe entfaltet, wollte ich natürlich die Chance nutzen meine Wissenslücken zu schließen und auch an einigen Baujagden teilzunehmen.

Die erste Baujagd war die Jagd in Apolda. Ich habe diesen Tag mit vielen Bildern und einem Bericht von mir und Dietrich schon mal vorgestellt. Da hier Kunstbauten und Heuballen gearbeitet wurden war dieser Tag auch nicht wirklich „die Erfahrung“. Letztlich sind Naturbauten die große Herausforderung, da man weder Länge, Tiefe noch Bewohner wirklich kennt. Trotzdem hat es riesigen Spaß gemacht, so viel ist klar.

Loburg.

Die jährlich stattfindende Loburger Baujagd ist etwas Besonderes, erinnert Sie von Anzahl der Jäger und Höhe der Strecke doch eher an eine Drückjagd. Die Jagd findet über zwei Tage statt, wobei sich ein Großteil der Jäger samstagmorgens bei Loburg einfinden. Dort werden Erdhundeführer und Schützen in Gespanne gruppiert. Diese bejagen dann die Baue in zahlreichen Revieren rund um Loburg. Highlight ist sicherlich auch die Teilnahme verschiedener Falkner mit Steinadler und Harris Hawk.

Ich startete also in einer größeren Gruppe zusammen mit Jan, Detlef und Ralf. Grundsätzlich handelte es sich um Feldreviere. Wir waren also mobil und parkten in der Nähe der Baue, verbrachten das gesamte Material zu diesen (Grabwerkzeug). Im Anschluss wurden abwechselnd Erdhunde angesetzt, Terrier sowie Rauhaarteckel. Schon im ersten Bau gab ein Rauhaarteckel dauerhaft laut ohne sich zu bewegen. Diese Analyse ist natürlich nur mit guten Bausendern möglich, welche beim Erdhund genauso zur Ausstattung gehören wie das GPS zum Stöberhund. Es wurde also gegraben, der Hund geborgen und im Anschluss der Fuchs aus der Endröhre geholt und erlegt.

Ein erfolgreicher Start, die Gruppe mit Steinadler konnte auch einen Fuchs im Bau stellen. Dieser wollte ebenfalls nicht springen, sodass wieder gegraben werden musste. In dieser Zeit trennte sich die Gruppe und wir bearbeiteten weitere Baue. Wieder konnte ein Fuchs ausgegraben werden. Ich Stand als Schütze bei einem Bau als ein Rauhaarteckel in erfolgreicher, lauter Jagd einen Fuchs aus dem Bau brachte. Zwei Schüsse von mir hinterließen eine Menge Balg, allerdings flüchtete der kranke Fuchs. Luzy wurde geschnallt, allerdings wurde der Fuchs nicht langsamer so dass diese ihn in einem Waldstück verlor. Dieser lag dann einige 100 Meter weiter in einem Graben und wurde dort gefunden. Das ist grundsätzlich sehr schade, ich bin lediglich froh zu wissen, dass sich der Fuchs nicht unnötig quälen musste. Luzy ist an dieser Stelle eventuell nicht scharf genug gewesen im vollen Galopp zu greifen.

Es verging bereits eine Stunde nachdem wir uns von der Steinadler-Gruppe getrennt hatten. Wir entschieden uns zu helfen, da diese Gruppe bereits den dritten Schacht ausheben musste ohne auf den Fuchs zu stoßen. Bereits mehrere Hunde bauten Druck auf, aber der Fuchs wollte nicht springen. Wir arbeiteten also weiter an diesem Bau. Wieder verging fast eine halbe Stunde bis wir die Endröhre des Fuchses ausgehoben hatten. Mit etwas menschlicher Hilfe sprang der Fuchs und konnte erfolgreich vom Falkner mit seinem Adler erlegt werden. Ein unglaublicher, seltener und toller Anblick! Sicherlich etwas was ich nicht mehr vergesse.

Der Tag verging schneller als gedacht und am Ende lag eine beachtliche Strecke Raubwild. Jagen-mit-Hunden, in Zusammenarbeit mit zwei Hundefutterherstellern und insbesondere durch Jans Engagement organisierte reichlich Hundefutter für die tapferen Helfer.

Gedanken.

Nun ich bevorzuge natürlich die bewegte Jagd, also eine, bei der ich mich selbst bewege. Von daher war die Baujagd etwas sehr Ungewohntes. Trotzdem war ich überrascht von der Freundlichkeit und Offenherzigkeit aller Anwesenden. Hier geht es nur um die Leistung der Hunde, keine dummen Sprüche, kein Geprahle. Und was für eine Leistung das ist! Da zwängt sich ein Hund in eine viel zu enge, unter Umständen komplexen Höhle um einem ebenbürtigen Gegner zu begegnen. Diese unglaubliche Nervenstärke (ich würde das nicht machen…) findet seine Krönung in der Ausdauer mit der die Hunde trotz Erschöpfung und Verletzung arbeiten: Stunden! Ich finde die beiden Ausrufezeichen mehr als gerechtfertigt. Und auf einen Schlag wird die Baujagd als altes Waidwerk greifbar und verständlich, die Passion der Hunde überträgt sich 1-zu-1 auf die Jäger. Einfach eine tolle Hundearbeit.

Jagdliches.

Ich als Jäger der in Niederwildrevieren / Landschaftsschutzgebieten / Naturschutzgebieten zusammen mit dem Wolf, Seeadler und Waschbär auf Jagd gehe, habe nochmal einen besonderen Blick auf die Raubwildjagd. Nur ein stetig hoch gehaltener Jagddruck auf die Raubwildpopulationen ermöglicht bei unserer Kulturlandschaft überhaupt noch so etwas wie Artenvielfalt. Jeder erlegter Fuchs wichtet hier schwer. Die Baujagden Februar / März sind ein zeitgemäßes Mittel um in der Ruhephase für die meisten Jäger „Strecke zu machen“. Normalerweise konzentriert sich die Fuchsjagd, wenn überhaupt, auf Januar. Das steht aber in Konflikt mit der erst Ende Januar endenden Jagdzeiten und Drückjagden auf Schalenwild. Die Baujagd leistet hier hervorragende Arbeit und stellt zwar ein altes Waidwerk da, was aber immer noch mehr als zeitgemäß ist (besonders im Rahmen unser immer weiter voranschreitender landschaftlicher Verarmung).

Jetzt brauchen wir nur noch Baumhunde für die Bejagung des Waschbären.

 

 

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