Von schießwütigen Hundeführern und schlechten Hunden | Editorial

Glaubt man den in den letzten Monaten erschienen Beiträgen in diversen Jagdmedien, so sieht es düster aus im deutschen Jagdhundewesen. Immer mehr schießwütige Durchgehschützen, die den gesitteten Standschützen das Leben schwer machen, nicht durchgearbeitete Hunde aus dem Tierheim, die es schaffen im Schuss doch immer hinter dem Stück zu sein (ein Jagdhund weiß, das er da nichts zu suchen hat) und faule Treiber, die einem nicht mal die Sau aus dem Bach fischen.

Götter auf Jagd. Untermalt wird das von den in rauen Massen auf den Plan tretenden Profis, welche natürlich immer mehr Jagden durchgeführt, mehr Sauen geschossen, die besten Schützen sind und auch sonst ziemlich wichtig sind. Da wird der Jagdhelfer zum “Dienstleister an der Jagd” degradiert, im nächsten Moment aber wird sich über vermehrt auftretende Tierheimhunde beschwert. Es wäre doch unbedingt nötig, dass die Hunde gut ausgebildet (brauchbar) sind, spurlaut (aber nur wenn es richtig passt) und ein enges Verhältnis zum Führer haben. Diese Unsitte im Treiben zu schießen sei auch nur ein Konstrukt schlechter Jagdhunde und bei guten Vierbeinern garnicht nötig. Man nehme sich als Beispiel die zahlreichen Standschnaller, denen rennt ja auch kein Hundeführer hinterher. Dann diese rostigen Knarren und ausgeblichenen Klamotten… die Wichtigtuherei am Streckenplatz… dabei werden die ja mittlerweile schon königlich für ihre Arbeit bezahlt, 30 Euro pro Jagd und wenn der Vierbeiner mal erschossen wird, geht der Hundeführer ja auch nicht leer aus!

So und jetzt mal kurz zusammengefasst: quatsch, quatsch und quatsch. Man hat fast das Gefühl, dass nach dem die Themen Ritsche-ratsche-Geradezugrepetierer, das Vorhaltemaß auf Sauen und die beste Visierung nicht mehr spannend genug sind, sich zwangsläufig anderen Themen gewidmet werden muss: nämlich den Anderen, die während der Drückjagd vor den Läufen der Büchsen herumwuseln, Hundeführer, deren Hunde und Treiber. Man könnte diesen Beiträgen als einigermaßen intelligente Person mit Geschichtsexkursen begegnen, aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen diskutieren oder einfach mal die Realität hinzuziehen. Doch würde das zu irgendwas führen? Letztlich käme man dann wieder zum Schluss: jeder sollte erstmal in den Spiegel schauen, bevor er Andere kritisiert.

Das sind “bloss” wir. Wir bei www.jagenmithunden.de verfolgen einfache Grundsätze. Jeder kann mitmachen, der an der Jagdhundearbeit nachhaltig interessiert ist und dem es mit Freude erfüllt unsere Vierbeiner beim Arbeiten zu beobachten. Der Hund muss brauchbar sein im Sinne des Gesetzes, wir sind keine Rasse-Fanatiker. Der Hundeführer muss seinen Hund wie ein Familienmitglied behandeln, da muss das Geld für GPS und Hundeschutzweste da sein. Natürlich fängt jeder klein an und möchte erstmal schauen, ob es was für sich und seinen Hund ist. Trotzdem steht immer das Bestreben im Vordergrund, sich selbst und die Hundearbeit als Ganzes zu verbessern und weiterzulernen. Das geht für 99% Prozent der Menschen nicht mit 20 Hunden, weshalb wir alle nur mit 1 bis 4 Hunden auskommen müssen.

Geld regiert die Welt. Wir machen das Ganze nicht gewerblich, auch wenn wir könnten, denn da wo Geld verdient werden kann … nun das sollten die Meisten ja kennen. Und mal ehrlich: die 30 Euro pro Drückjagd denen man noch hinterherrennen muss sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Das reicht selten für den Kraftstoff der Anreise, wir machen das anders. Lieber nutzen wir solche Mittel um Vortragsreihen zu organisieren. Im Sinne des gemeinsamen Austausches wird mal jemand von der Rettungshundestaffel eingeladen, ein Schweißhundeprofi oder erfahrener Hundetrainer aus dem sportlichen Bereich. Das ganze immer offen für alle, die Termine findet ihr oben auf der Seite. Auf ähnliche Art und Weise organisieren wir speziell auf Hundeführer zugeschnittene Schießkinobesuche oder Schießstandbesuche, Arbeitstage in Schwarzwildgatter etc.. Unsere Mitglieder sind aktiv in ihren Vereinen und Verbänden, Reviere werden zur Verfügung gestellt. Kurz gesagt: wir lieben das Jagen mit Hunden und das Jagen mit Freunden.

Als Hundeführer hat man alles gesehen. Wir sollten uns grundsätzlich einig sein, dass die größte Verantwortung und auch das größte Risiko auf der Seite der Waffe zu finden ist, die den Abzug drückt. Was einmal totgeschossen ist, bleibt tot. Schuld ist immer der Schütze! Würden wir Tagebuch führen und das 1-zu-1 medial verarbeiten würden sähe es Düster aus mit dem “Konstrukt Drückjagd”. Während im Vergleich zu vor 20 Jahren immer mehr motivierte Hundeführer mit Westen und brauchbaren Hunden dem Bedarf nach Drückjagden nachkommen, wird es immer merkwürdiger auf Seite “Schütze”. Zu den zahlreichen Veteranen die das letzte mal vor 5 Jahren auf den laufenden Keiler geübt haben, kommen immer mehr spritzige Jungjäger, die den Großteil ihrer jagdlichen Erfahrungen auf Drückjagden einholen. Wenn diese keinen Stand bekommen und sie “Bock” haben machen sie “halt” als Durchgehschütze mit. Das ist so ziemlich die schlimmste Kombination, die möglich ist (wir dulden keine Durchgehschützen in unseren Treiben)! Bei dem ganzen über Youtube und Jagdzeitung angehäuften Wissen fehlt es meist an Grundwissen zu Ballistik und Geschosswirkung. Die Geschosse werden immer rasanter und absurd leicht, flattern beim kleinsten Grashalm schon sonst wo hin (wo finden die meisten Drückjagden statt?). Am Ende und bei aller teurer Ausrüstung wird dann doch zum billigen Splittergeschoss gegriffen. Auch wenn die Zahl der Zwischenfälle steigt, so ist doch im der Regel alles noch im Rahmen. Genauso wie wir uns versuchen weiterzuentwickeln, dabei aber wissen das wir nie alles richtig machen, erwarten wir Gleiches von den Schützen. Das hat nichts mit Überheblichkeit zu tun.

Es bleibt kontrovers. Am Ende wird alles nicht so heiß gegessen wie es gekocht wird. Oben genannte Kritik kommt oft von Berufsjägern wohlhabender Jagdherren, Förstern der Staatsbetriebe und Jagdverbänden. Kurz: jene, die diese Jagden organisieren und verantworten. Oft wird sich in hinter einer scheinbaren Professionalisierung versteckt. Tatsächlich erzeugen diese Jagdleiter eine Zweiklassengesellschaft unter den Hundeführern. Sollte nicht das Ziel der Forstbetriebe sein die Hundeführer der Region ordentlich einzubinden und Lösungen zu suchen sie angemessen entschädigen zu können, ohne Aufwand für diese Hundeführer? Was jetzt gemacht wird, ist das heranziehen, teils Vernünftiger aber auch halbwilder und wildester Semiprofessioneller. Teils von sehr weit weg, aber Achtung(!) mit Gewerbe. Ob das der Weg ist? Sind wir davon nicht weit und lange entfernt: hier wird mit Liebe der Hund geführt, nicht als Verschleissobjekt und Erfüllungsgehilfe? Wo ist denn die Professionalität dieser Profis die Ihre deutschen Jagdterrier, obwohl gewusst scharf, ohne Weste schnallen? Das Risiko in Kauf zu nehmen, ist tierschutzrelevant, nicht zu akzeptieren und gar noch zu honorieren. Heute kann man was tun, kann man dem Hund ein Mindestmaß an Schutz angedeihen lassen!

Stellen Sie sich doch bitte diese Fragen:

Wo sind denn die ganzen Prüfungszeugnisse, die sie einfordern, für die Hunde die spät aus dem Kofferraum geholt werden?

Wo die Zeugnisse für nicht im Land anerkannte Hunderassen? Wir haben Patterdale gesehen, Heideterrier, Catahoula, Jack Russel (also Knickfuss), SSB, F1 Mischungen aus diversen Jagdhunderassen, keiner hat kontrolliert.

Wo ist die Professionalität bei einem HF, der seinen Hund ohne Weste und Garmin schnallt und dann zwei Tage durch den Wald irrt, den Hund suchen muss (für den dicken BMW/ Audi, die R 8 und Härkila Jacke hat das Geld gereicht, für Hundeausrüstung war nicht genügend übrig)?

Wo ist die Professionalität der Kofferaumhunde, Standgeld befreit weil Hund dabei, aber nicht eingesetzt (sie könnten so einfach selber selektieren, jeder der am Streckenplatz noch Gassi gehen muss, dessen Hund war nie und nimmer arbeiten)?

Wo ist die Professionalität von Ihnen, wenn sie auf Gruppen setzen die als Meute funktionieren (Kofferaum auf, Hänger auf > 10-20 Hunde raus) die selbst den Namen Meute im Namen tragen. War und ist Meutejagd in Deutschland nicht verboten?

Wo sind klare Ansagen zu echten Schießnachweisen und nicht diese Albernheiten der Landesjagdgesetze?

Das ist alles nur Schein. Außen Hui und innen Pfui… genau das kennen wir örtlichen Hundeführer von einem Großteil selbsternannter Profis. Wir mögen nicht viele Hunde pro HF haben, aber wir befassen uns intensiv mit den einzelnen Hunden, prüfen und führen sie wie es sich gehört und arbeiten mit ihnen, einzeln abgeführt wie mit einem Familienmitglied, das auch morgen noch mit jagen soll. Lenken sie doch die vielen, jetzt frei herumschwirrenden örtlichen HF in mehr professionelle, Ihnen genehme Bahnen, dann haben sie echten Mehrwert und echte Akzeptanz.

Da müssten Sie aber … etwas tun.

Der Rest freut sich einfach nur auf schöne Jagderlebnisse, eine waidgerechte Durchführung und gemeinschaftliches Jagen.

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